Problemskizze zu einer kritischen Theorie der Digitalisierung

„Die Universität ist der Ort, an dem die Erinnerung ans Menschliche bewahrt und das Menschliche mit allen ihren Möglichkeiten lebendig erhalten werden soll.“[i] Diese Worte sind der von Max Horkheimer im Sommersemester 1952 gehaltenen Rede zur Begrüßung der Erstsemester an der Goethe-Universität Frankfurt entnommen. Horkheimer plädiert für eine Form universitärer Bildung, die über das bloße Konsumieren, Reproduzieren und Hinnehmen von Wissen hinausgeht und einen aktiven Prozess des Denkens meint, der dazu befähigt, „der Welt, wie sie ist, Widerstand leisten (zu) können“[ii]. In der folgenden Skizze werde ich mich dem Verhältnis von Digitalisierung und Universität aus Sicht der Kritischen Theorie widmen. Dabei werde ich insbesondere darauf eingehen, inwiefern durch die Digitalisierung Bildung in dem von Horkheimer gemeinten Sinn befördert beziehungsweise behindert wird.

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Digitalisierung und Universität: Über die Vereinnahmung des Individuums im digitalen Kapitalismus

Die Universität als ein öffentlicher Raum der Lehre und Forschung ist besonders im Jahr 2020 auf digitale Medien angewiesen und somit ein Symbol der digitalisierten Gesellschaft. Die Kritischen Theorien von Herbert Marcuse, Max Horkheimer, Theodor W. Adorno und Erich Fromm befassen sich noch nicht mit der Digitalisierung im heutigen technischen Verlauf, wohl aber beziehen sie sich auf ihre Grundlagen. Die Industrialisierung, welche mit dem späten 19. Jahrhundert begann und im 20. Jahrhundert auch durch die beiden Weltkriege neuen Schwung erhielt, wird von den Philosophen kritisiert. In Tradition dieser Denker soll folgend der Versuch unternommen werden, die Chancen und Risiken der Digitalisierung für Gesellschaft und Individuum zu umreißen.[1]

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Der digitale Freiraum – Digitalisierung und Universität aus der Perspektive einer Kritischen Theorie

Der zunehmende Fokus auf die digitale Lehre an Universitäten kommt meistens einher mit einem impliziten Versprechen von Modernisierung, Effizienz und vor allem Freiheit. Freiheit, auch aus der Ferne auf Information zugreifen zu können, Freiheit, sich den Tag flexibler einteilen zu können und Freiheit von den scheinbar veralteten physischen Einrichtungen der Universität. Während die Digitalisierung auf jeden Fall traditionelle Strukturen destabilisiert und so Grenzen aufhebt, ist es notwendig aufzuzeigen wo diese digitale Freiheit bestehende Problemfelder der Gesellschaft verschlimmert oder neue Schwierigkeiten aufwirft, die bisher weitgehend unbeachtet bleiben.

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Die zunehmende Digitalisierung der universitären Bildung – Chance als auch Gefahr?

„Technische Rationalität heute ist die Rationalität der Herrschaft selbst. Sie ist der Zwangscharakter der sich selbst entfremdeten Gesellschaft.“[1] – Max Horkheimer, Theodor W. Adorno Während der gegenwärtigen Covid-19-Pandemie, fallen angesichts der sozialen Distanz, die gewahrt werden muss, die Begriffe Digitalisierung und Bildung mehr zusammen als ohnehin schon. Die Lehre wurde sowohl in der schulischen als auch in der universitären Bildung in das Digitale verlagert. Deshalb lohnt es sich, die derzeitige und kommende Entwicklung zunehmender Digitalisierung in der Lehre kritisch zu betrachten. Wenn über die Digitalisierung der Bildung gesprochen werden soll, muss der Begriff Bildung erst einmal auf seinen eigentlichen Gehalt hin untersucht werden. Wovon redet man also, wenn man von Bildung spricht?

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Ein Kommentar zur Wissenschaftlichkeit Marx’ Philosophie

Marx‘ Philosophie ist – wie fast alle europäischen Philosophien seiner Zeit und teils bis heute – extrem eurozentrisch. Seine Ideen und Analysen beziehen sich ausschließlich auf eine sich industrialisierende Welt europäischen (vor allem englischen) Zuschnitts, was er selbst in späteren Jahren auch reflektierte. Darüber hinaus galt Marx als sehr selbstgefällig, betrachtete andere Denker*innen seiner Zeit allenthalben ironisch-provokant. Das zeigt sich besonders zugespitzt auch darin, dass er andere Denkmodelle nicht einmal ernsthaft diskutierte. Er stufte seine Geschichtsbetrachtung, in der er jede Entwicklung ausschließlich als Folge von Produktionsprozessen (Historischer Materialismus, Engels) sah, als wissenschaftlich fundiert im Range von Naturgesetzen ein, die nicht hinterfragbar seien.[1] Aber gerade dadurch wird deutlich, dass er unwissenschaftlich denkt. Diesem Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit möchte ich in diesem Essay nachspüren.

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